June 30, 2025

Rücksetzer bei Rohöl: Warum WTI und Brent unter 70 USD fielen

Nach dem jüngsten Anstieg ziehen die Ölpreise erneut nach unten – WTI und Brent stehen unter Druck. Hauptauslöser war die verhaltene Marktreaktion auf die Waffenruhe zwischen Iran und Israel. Die akute Spannung in der Straße von Hormus, die fast ein Fünftel der weltweiten Ölströme betrifft, hat sich beruhigt – der zuvor eingepreiste Krisenaufschlag ist nahezu verschwunden.

Hinzu kamen neue Daten aus den USA: Laut Behördenberichte sank der Lagerbestand an Rohöl letzte Woche um fast sechs Millionen Fass, während die Nachfrage nach Benzin ein Zweijahreshoch erreichte. Marktteilnehmer verschieben ihren Blick zurück auf das Fundament: Angebot und Verbrauch gewinnen wieder Priorität. Zudem nähren schwächere US-Konjunkturdaten die Erwartung, dass die Federal Reserve bis September die Zinsen senken könnte – was das wirtschaftliche Umfeld und damit auch die Ölnachfrage stärken würde.

Zunächst erlitten die Benchmarknotierungen dennoch einen heftigen Rücksetzer: WTI fiel bis auf knapp 66 USD, Brent erreichte Tiefs unter 69 USD. Verkauft wurde vor allem, weil der geopolitische Risikoaufschlag weggefallen war. Händler hatten zuvor gegen steigende Preise spekuliert – mit dem Rückzug aus dem Streifen von Hormus schrumpfte dieses Risiko ebenso schnell wieder .

Auf der Angebotsseite steht OPEC+ weiterhin im Rampenlicht: Die Gruppe hat ihre Produktion erhöht und signalisiert keine baldigen Drosselungen, was weitere Abwärtsrisiken eröffnet. Gleichzeitig steigt der US-Dollar leicht und belastet Dollar-denominierte Rohstoffe zusätzlich.

Technisch betrachtet scheint die Marke von 70 USD aktuell zur wichtigen Resistenz Zone geworden – ein nachhaltiger Ausbruch über dieses Level könnte neue Käufer anlocken. Solange jedoch fundamentale Unsicherheiten bestehen und die Zinsentwicklung abgewartet wird, liegt die Spanne wohl zwischen 65 und 70 USD – mit potenziellen Ausreißern bei erneuter Eskalation in der Region .

Auch Aktien aus dem Energiesektor zeichneten ein gemischtes Bild: Während Integration Konzerne unter Druck gerieten, reagierten Fluggesellschaften mit Kursgewinnen – günstigere Treibstoffpreise stärkten ihr Geschäftsmodell. Die Wall Street nähert sich optimistisch an, getrieben von der Hoffnung auf Zinssenkungen und weniger geopolitische Risiken .

Fazit

Mit dem Rückzug der geopolitischen Risikoaufschläge ist der Ölmarkt in eine neue Phase eingetreten: Der Preis wird wieder stärker von Fundamentaldaten und OPEC‑Entscheidungen gesteuert. Lange hielt man bei Krisen Meldungen fest – jetzt entscheidet sich, wer an einem Range‑Band zwischen 65 und 70 USD festhalten kann. Der nächste Trigger liegt in der politischen Lage im Mittleren Osten sowie in Daten zur Nachfrage und der Geldpolitik.