Werner Flach
February 26, 2026
Aktien

500‑Milliarden‑Paket: Kommen jetzt die Börsengewinne?

Deutschland erlebte 2025 wirtschaftliche Stagnation: Die Industrie kämpfte mit hohen Energiekosten, Lieferkettenproblemen und einer schwachen globalen Nachfrage. Doch die Bundesregierung setzt ein kräftiges Konjunkturprogramm dagegen: Insgesamt 500 Milliarden Euro sollen in den kommenden zwölf Jahren in Infrastruktur und Klimaschutz fließen – rund 11 Prozent des BIP. Zusätzlich plant die Regierung bis 2029 eine Nettoneuverschuldung von 850 Milliarden Euro, was den Schuldenstand deutlich erhöhen würde. Trotz des hohen Defizits sehen Ökonomen darin einen notwendigen Schritt, um die marode Infrastruktur zu modernisieren, die Energiewende voranzutreiben und die digitale Transformation zu beschleunigen.

Die Investitionsoffensive könnte das Wachstum ab 2026 um bis zu 0,5 Prozentpunkte pro Jahr steigern. Internationale Vermögensverwalter wie Amundi prognostizieren für 2026 ein Wachstum von 0,8 Prozent und eine mögliche Outperformance deutscher Aktien. Mit sinkenden Zinsen und steigenden Staatsausgaben könnten Unternehmen vom Bau‑ und Energiesektor bis hin zu Technologie und Gesundheit profitieren. Besonders das Segment erneuerbare Energien dürfte profitieren, da der Ausbau von Wind‑ und Solarparks massive Aufträge auslöst. Bauunternehmen wie Hochtief und Strabag könnten von der Modernisierung der Verkehrswege profitieren, während IT‑Dienstleister wie SAP und Software AG Aufträge für Digitalisierung der Verwaltung erwarten.

Risiken: Demografie, Industrien und Heimvorteil

Die demografische Entwicklung bleibt ein großes Problem: Die Bevölkerung altert schneller als im EU‑Durchschnitt, wodurch die Erwerbsbevölkerung schrumpft und der Fachkräftemangel zunimmt. Gleichzeitig bleiben energieintensive Branchen wie Chemie und Stahl angeschlagen. Sie leiden unter hohen Stromkosten und Konkurrenz aus Asien und den USA. Zusätzlich besteht die Gefahr eines „Home Bias“ bei deutschen Anlegern: Viele investieren vorwiegend in heimische Werte und vernachlässigen internationale Diversifikation. Dies kann bei einer schwächelnden nationalen Wirtschaft das Portfolio übermäßig belasten.

Dennoch bieten deutsche Aktien Chancen. Die Autoindustrie investiert massiv in Elektromobilität und Software, der Gesundheitssektor profitiert von der alternden Bevölkerung, und der Mittelstand bleibt innovativ. Staatliche Garantien und Subventionen könnten Investitionen anstoßen. Wichtig ist, sorgfältig zu prüfen, welche Unternehmen unmittelbar von den Ausgabenprogrammen profitieren und welche strukturell unter Druck stehen. Eine Mischung aus großen exportorientierten Konzernen und kleinen, spezialisierten Weltmarktführern kann helfen, die Risiken zu streuen.

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