Richard Stern
March 30, 2026
Aktien

Deutsche Exporteure unter Druck: So treffen Trumps Zölle VW, BMW und Siemens

Deutsche Exporteure unter Druck: So treffen Trumps Zölle VW, BMW und Siemens

Die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump trifft Deutschlands exportorientierte Wirtschaft mit voller Wucht. Geplante Zölle von zunächst 10 Prozent auf europäische Importe, mit möglicher Eskalation auf 25 Prozent, stellen eine massive Herausforderung für Konzerne dar, die einen erheblichen Teil ihres Umsatzes auf dem US-Markt erzielen. Was bedeutet das konkret für die größten deutschen Exporteure, und welche Aktien sind am stärksten betroffen?

Automobilindustrie: BMW, VW und Mercedes im Fadenkreuz

Die deutsche Automobilindustrie ist am stärksten exponiert. BMW erzielte zuletzt 26 Prozent seines globalen Umsatzes in Nordamerika; bei Mercedes-Benz waren es 24 Prozent, bei Volkswagen rund 18 Prozent. Für BMW bedeuten Zölle von 25 Prozent auf in Europa produzierte Fahrzeuge, die in die USA exportiert werden, eine direkte Belastung von geschätzt 2,3 Milliarden Euro pro Jahr – sofern der Konzern die Mehrkosten nicht vollständig an die Kunden weitergeben kann.

„Die Automobilhersteller werden versuchen, einen Teil der Zollbelastung durch Preiserhöhungen aufzufangen, einen Teil durch Kostensenkungen zu kompensieren und einen Teil durch verstärkte US-Produktion zu vermeiden", erklärt Automotiv-Analyst Jürgen Koch von Berenberg Research. „Aber kurzfristig sind die Gewinnmargen unter erheblichem Druck."

Maschinenbau und Industrie: Siemens, BASF und Covestro

Auch der Maschinenbau und die Chemieindustrie sind erheblich betroffen. Siemens, der Münchner Technologiekonzern, generiert rund 20 Prozent seiner Erlöse in den USA. Besonders das Energieinfrastruktur-Segment, das stark von US-Infrastrukturprojekten abhängt, könnte unter höheren Importzöllen leiden. BASF, der weltgrößte Chemiekonzern, hat zwar erhebliche Produktionskapazitäten in den USA, doch viele Spezialchemikalien werden nach wie vor aus Europa importiert.

Covestro, der Kunststoffhersteller, schätzt die potenzielle jährliche Mehrbelastung durch 25-Prozent-Zölle auf 380 Millionen Euro. Angesichts eines Konzerngewinns (EBITDA) von rund 1,5 Milliarden Euro wäre das eine spürbare Ertragseinbuße von etwa 25 Prozent.

Anpassungsstrategien der Unternehmen

Die betroffenen Konzerne haben bereits verschiedene Strategien entwickelt, um die Zollbelastung zu minimieren. BMW produziert in seinem US-Werk in Spartanburg bereits den größten Teil seiner SUV-Modelle lokal und wird die Produktion dort weiter ausbauen. VW hat angekündigt, sein Werk in Chattanooga, Tennessee, mit zusätzlichen Modellen zu bestücken. Siemens verstärkt seine US-Fertigung durch Akquisitionen und Greenfield-Investitionen.

Diese Verlagerungen dauern jedoch Jahre und bieten keinen kurzfristigen Schutz. „Die nächsten 12 bis 18 Monate werden schwierig", sagt Industrieökonom Prof. Dr. Heinrich Brandt von der TU München. „Danach werden sich die deutschen Konzerne angepasst haben – sie sind agil genug."

Investmentempfehlungen: Wer profitiert, wer leidet?

Für Aktieninvestoren ist die differenzierte Betrachtung entscheidend. Am stärksten belastet sind BMW, Mercedes und VW – hier ist kurzfristige Vorsicht angebracht. Weniger betroffen sind Unternehmen mit starker US-Präsenz oder inländischem Fokus: Deutsche Telekom (hoher US-Anteil durch T-Mobile), Allianz (globales Versicherungsgeschäft) oder Infineon (Halbleiter, die in Zolllisten oft ausgenommen sind) bieten relative Stärke.

Langfristig orientierte Anleger sollten die aktuellen Kursschwächen bei qualitativ hochwertigen Exporteuren als Einstiegsgelegenheit betrachten. BMW beispielsweise handelt aktuell auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 5,8 – historisch gesehen ein sehr günstiges Niveau. Wer einen Anlagehorizont von 3 bis 5 Jahren hat, wird von diesem Niveau aus mit hoher Wahrscheinlichkeit gute Renditen erzielen.

WEITERE ARTIKEL
Nvidia Quartalszahlen: Was 91 Milliarden für KI-Aktien bedeutenNvidia Quartalszahlen: Was 91 Milliarden für KI-Aktien bedeuten

Nvidia Quartalszahlen am 26. August: 91 Mrd. Dollar Umsatzerwartung. Was das für KI-Aktien bedeutet und welche Risiken der Markt dabei einpreist.

August 21, 2026
Aktien
Nvidia Aktie vor Quartalszahlen: Was der Markt erwartetNvidia Aktie vor Quartalszahlen: Was der Markt erwartet

Die Nvidia Aktie steht vor Quartalszahlen am 26. August unter Druck. Welche Markterwartungen eingepreist sind und warum die Bewertung kaum Spielraum lässt.

August 21, 2026
Aktien
Rheinmetall Aktie nach Earnings: Was der Markt jetzt einpreist

Rheinmetall nach Quartalsbericht: Auftragsbestand über 80 Mrd. Euro, Prognosesenkung. Was der Markt einpreist und welche Faktoren jetzt entscheidend sind.

August 18, 2026
Aktien
Rheinmetall Aktie: Rekordquartal – und trotzdem Kursrückgang

Rheinmetall Aktie: Das beste Quartal der 137-jährigen Geschichte, aber der Kurs fiel 8,5%. Was hinter der paradoxen Marktreaktion steckt und was jetzt zählt.

August 18, 2026
Aktien