Werner Flach
March 26, 2026
Rohstoffe

Deutsche Rohstoff AG: Warum der Aktienkurs 2026 um 69 Prozent gestiegen ist

Deutsche Rohstoff AG: Warum der Aktienkurs 2026 um 69 Prozent gestiegen ist

Während der DAX im März 2026 unter Verkaufsdruck steht, hat die Deutsche Rohstoff AG (DRAG) ein bemerkenswertes Kunststuck vollbracht: Die Aktie des kleinen deutschen Rohstoffunternehmens hat seit Jahresbeginn um 69,18 Prozent zugelegt – eine Performance, die selbst angesichts des allgemeinen Rohstoff-Booms außerordentlich ist. Was steckt hinter dieser Rallye, und ist der Kursanstieg nachhaltig?

Die Deutsche Rohstoff AG ist nicht das erste Unternehmen, das man mit einem deutschen Finanzinvestor assoziieren würde. Gegründet als Beteiligungsgesellschaft, hat sich das Unternehmen auf die Exploration und Förderung von Erdöl, Erdgas und Basismetallen spezialisiert – vor allem in Nordamerika. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 600 Millionen Euro ist die DRAG ein klassisches Small-Cap-Unternehmen, das an der Frankfurter Börse notiert und in vielen Standard-Indizes keine Rolle spielt.

Die Treiber hinter dem Kursanstieg

Der wichtigste Treiber des DRAG-Kursanstiegs ist der gestiegene Ölpreis. Rohöl der Sorte WTI notiert im März 2026 bei rund 92 Dollar pro Barrel – deutlich über dem Niveau von 65 bis 70 Dollar, das noch im Jahr 2024 als "new normal" galt. Der Iran-Krieg hat die Ölversorgung verunsichert, und die globale Nachfrage bleibt robust.

DRAG produziert Öl und Gas primär in den USA, im Bundesstaat Colorado und Wyoming. Bei einem WTI-Preis über 85 Dollar arbeiten die DRAG-Quellen mit erheblicher Marge. Das Unternehmen hat seine Produktionskapazität in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut und produziert aktuell rund 15.000 BOE (Barrels of Oil Equivalent) pro Tag – genug, um bei aktuellen Preisen starke freie Cashflows zu generieren.

Hinzu kommt die Beteiligung an Almonty Industries, einem der weltweit führenden Wolfram-Produzenten, der seit Juli 2025 an der NASDAQ notiert ist. DRAG hält rund 9 Prozent an Almonty – eine strategisch wertvolle Position in einem Metall, das für Hochtemperaturanwendungen, Schnellarbeitsstahl und militärische Anwendungen unverzichtbar ist.

Wolfram: Das unterschätzte Metall im Portfolio der DRAG

Wolfram ist eines der am häufigsten übersehenen strategischen Metalle. Mit einem Schmelzpunkt von 3.422 Grad Celsius ist es das Metall mit dem höchsten Schmelzpunkt überhaupt – unverzichtbar für Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt, der Rüstungsindustrie und der Werkzeugherstellung. China kontrolliert rund 80 Prozent der globalen Wolframproduktion, was westliche Industrienationen in eine strategische Abhängigkeit treibt.

Almonty betreibt Wolfram-Projekte in Spanien, Portugal und Südkorea und ist damit einer der wenigen westlichen Wolframproduzenten von Bedeutung. Mit dem wachsenden Bewusstsein für Rohstoff-Sicherheit in Europa und den USA ist Almonty zu einem strategisch wertvollen Unternehmen geworden. Für DRAG als 9-Prozent-Anteilseigner ist das eine stille Wertsteigerung, die in der Aktienbewertung noch nicht vollständig reflektiert ist.

Markus Brandt, Analyst bei einem Frankfurter Researchhaus, kommentiert: "Die DRAG-Beteiligung an Almonty ist ein verstecktes Juwel. Wenn Wolfram in den nächsten Jahren als strategisch kritisches Metall eingestuft und von der EU in die Liste kritischer Rohstoffe aufgenommen wird, könnte allein diese Beteiligung erhebliche Werte freisetzen."

Fundamentaldaten und Bewertung

Trotz des starken Kursanstiegs ist die Deutsche Rohstoff AG nach gängigen Bewertungsmaßstäben noch nicht überteuert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf Basis der Analysten-schätzungen für 2026 bei rund 8 – deutlich unter dem Sektordurchschnitt internationaler Ölproduzenten von rund 12. Die Dividendenrendite liegt bei etwa 3,5 Prozent, was für ein Rohstoffunternehmen ansprechend ist.

Das Analysten-Konsens-Kursziel liegt nach dem Kursanstieg bei rund 95 Euro pro Aktie – immer noch etwa 20 Prozent über dem aktuellen Kurs. Das deutet darauf hin, dass Analysten trotz der starken Performance weiteres Potenzial sehen.

Risiken, die Investoren kennen müssen

Rohstoffunternehmen haben naturgemäß erhebliche Risiken. Der wichtigste ist der Ölpreis selbst: Ein Rückgang unter 70 Dollar würde die Margen der DRAG erheblich unter Druck setzen. Geopolitische Risiken in den Operationsgebieten, Währungsrisiken (DRAG verdient in Dollar, notiert aber in Euro) und operationale Risiken bei der Öl- und Gasproduktion sind weitere Faktoren.

Small-Cap-Unternehmen wie DRAG haben zudem eine geringere Liquidität als DAX-Unternehmen. In turbulenten Marktphasen können Kursausschläge nach unten deutlich stärker sein als bei großen Indextiteln.

Für welche Anleger die Deutsche Rohstoff AG geeignet ist

Die Deutsche Rohstoff AG ist kein Investment für jeden Anleger. Sie eignet sich für risikobewusste Investoren, die eine Rohstoff-Komponente im Portfolio suchen und bereit sind, die Volatilität eines Small-Cap-Unternehmens zu akzeptieren. Eine Positionsgröße von maximal 3 bis 5 Prozent des Gesamtportfolios ist angemessen.

Wer in die DRAG investiert, sollte einen Zeithorizont von mindestens zwei bis drei Jahren mitbringen. Die fundamentale These – hohe Ölpreise, strategische Wolframexposure, solide Bilanz – bleibt intakt. Kurzfristig ist nach dem Kursanstieg von fast 70 Prozent mit konsolidierenden Phasen zu rechnen. Langfristig bietet die Deutsche Rohstoff AG ein interessantes Exposure auf den globalen Rohstoff-Superzyklus, der durch Energiewende, KI-Revolution und geopolitische Rohstoffnachfrage angetrieben wird.

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