Günter Ehrhardt
February 23, 2026
Rohstoffe

Goldpreise steigen, Kaufpause folgt – Rückkehr der Zentralbanken erwartet

Die aktuelle Gold Rallye größte Käufer zeigt ein überraschendes, fast paradoxes Marktbild: Obwohl der Goldpreis in den letzten Jahren stark angestiegen ist und im Jahr 2025 mehrfach neue Rekorde erreichte, hat sich einer der wichtigsten institutionellen Akteure – Zentralbanken – zuletzt etwas zurückgezogen. Dies wurde besonders deutlich, als gezeigt wurde, dass die Netto­käufe globaler Zentralbanken 2025 zwar massiv blieben, aber nicht ganz das außergewöhnliche hohe Niveau der vergangenen Jahre erreicht haben. Im Jahr 2025 summierten sich die Netto­käufe auf etwa 863 Tonnen, was zwar historisch hoch ist und weit über dem langjährigen Durchschnitt liegt, aber unter dem Niveau von über 1 000 Tonnen, das in den Jahren zuvor registriert wurde.

Die Erklärung für diese relative Zurückhaltung ist eng mit der Rallye selbst verbunden: hohe Preise können defensive Käufer zeitweise abschrecken. Wenn ein Vermögenswert bereits stark gestiegen ist, kann es für Käufer weniger attraktiv werden, neue Positionen aufzubauen, da die Bewertung nicht mehr als günstig erscheint – eine klassische Situation, in der „Kaufen auf dem Dip“ schwerer fällt, wenn kein signifikanter Dip vorhanden ist. Doch Experten wie bei Goldman Sachs sehen genau darin einen temporären Effekt und gehen davon aus, dass diese große institutionelle Nachfrage wieder aufflammen wird, sobald sich die Volatilität beruhigt oder geopolitische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen eine strategische Rückkehr begünstigen.

Der Rückgang der Zentralbanknoten basiert nicht auf mangelndem Interesse am Edelmetall, sondern vielmehr auf taktischen Erwägungen. Während der Preis im Zuge der Rallye und geänderter Realzinsen, geopolitischer Sorgen und wachsenden Unsicherheiten am Markt stark angestiegen ist, haben manche Zentralbanken ihre Käufe zeitweilig gedrosselt, um keine teuren Reserven in einer hoch bewerteten Phase aufzubauen. Dennoch bleibt Gold ein zentraler Bestandteil offizieller Reserveportfolios – besonders in Zeiten globaler Unsicherheit.

Ein Blick auf das Gesamtjahr 2025 zeigt, dass die strategische Basisnachfrage der offiziellen Akteure nicht verschwunden ist. Im vierten Quartal 2025 stieg die Netto­nachfrage laut World Gold Council wieder auf 230 Tonnen, ein Anstieg um rund 6 % gegenüber dem dritten Quartal, was die robuste langfristige Ausrichtung bestätigt.

Hintergründe, Auswirkungen und Anlegerperspektive

Die Goldpreise sind im Jahr 2025 weiter gestiegen und erreichten in der Spitze über 5 300 US-Dollar pro Unze, was ebenfalls ein starkes Signal für die Nachfrage seitens privater und institutioneller Anleger war. Der Anstieg um historisch über 60 % im Jahr 2025 wurde maßgeblich durch geopolitische Spannungen, Inflationssorgen und eine erhöhte Nachfrage als sicherer Hafen während globaler Marktunsicherheiten vorangetrieben.

Diese Rallye setzte allerdings jewelierbezogene Nachfrage unter Druck, weil hohe Preise die Kaufbereitschaft privater Schmuckkäufer reduzierte, was ein typisches Muster in Phasen rekordhoher Bewertungen ist.

Trotz des kurzfristigen Pausierens bei einigen Zentralbanken bleibt die strukturelle Nachfrage hoch. Viele Notenbanken – etwa in Polen, Kasachstan, Brasilien oder der Türkei – haben ihre Reserven in den letzten Jahren dennoch deutlich ausgeweitet, teilweise auf Rekordniveau gegenüber früheren Dekaden. Für einige dieser Banken ist Gold ein Instrument der Diversifikation und Sicherheit, insbesondere angesichts geopolitischer Risiken und der Unsicherheit über traditionelle Reservewerte wie den US-Dollar.

Aus Anlegersicht ist entscheidend zu verstehen, warum eine vorübergehende Kaufpause nicht als Verkaufssignal interpretiert werden sollte, sondern vielmehr als taktische Positionierung. Wenn institutionelle Akteure wie Zentralbanken nach einer Phase hoher Preise eine Verschnaufpause einlegen, kann dies temporär zu Seitwärtstrends oder kleineren Rücksetzern führen, ohne die übergeordnete bullische Struktur zu gefährden. Sobald die Marktvolatilität abnimmt oder strategische Faktoren wie geopolitische Spannungen oder Zinssenkungserwartungen wieder stärker wirken, dürfte die Nachfrage institutionell wieder zunehmen – gerade weil Gold traditionell als sicherer Hafen und Wertspeicher geschätzt wird.

Ein weiterer Punkt ist, dass trotz vorübergehender Zurückhaltung der offiziellen Nachfrage die allgemeine globale Nachfrage insgesamt steigt. Laut Reuters erreichte die weltweite Goldnachfrage 2025 ein Rekordniveau von über 5 000 Metritons, wobei Investmentnachfrage, ETFs und Barren stark zulegten, auch wenn Schmucknachfrage aufgrund hoher Preise zurückging.

Auf der Angebotsseite bleibt die Goldproduktion relativ stabil, was die Rallye weiter unterstützt. Eine Kombination aus stabiler Minenproduktion, langfristiger Nachfrage seitens Zentralbanken und erhöhter privater Nachfrage führt dazu, dass der Markt auch bei Preisrücksetzern tendenziell solide Fundamente aufweist.

Langfristige Perspektiven: Gold als strategisches Asset

Ein Blick auf die ersten Wochen des Jahres 2026 legt nahe, dass der Goldmarkt weiterhin eine erhöhte Attraktivität genießt. Analysten gehen davon aus, dass Faktoren wie mögliche Zinssenkungen in den USA, ein schwächerer US-Dollar oder geopolitische Unsicherheiten weiterhin für Nachfrage sorgen könnten – ein Umfeld, das traditionell positiv für Gold ist, da das Edelmetall als Inflationsschutz und Krisenhedge fungiert.

Trotz der Preisvolatilität und der kürzlichen geringeren Einkaufstätigkeit einiger großer institutioneller Käufer bleibt die fundamentale Story intakt: Gold wird historisch in unsicheren Zeiten als stabiler Wertspeicher geschätzt und dient vielen Zentralbanken als Versicherung gegen systemische Risiken. Daher erwarten Experten nicht nur, dass frühere Käufer wieder aktiver werden, sondern dass langfristige strukturelle Nachfrage bestehen bleibt.

Für Anleger bedeutet dies: Ein vorübergehender Rückgang der Zentralbankkäufe sollte nicht als Zeichen eines endenden Bullenmarkts interpretiert werden. Vielmehr kann eine Phase strategischer Kaufpausen – wenn sie in einen langfristigen Trend eingebettet ist – Chancen für risikobewusste Investoren bieten, beispielsweise über Gold-ETFs, physische Anlagen oder langfristige Diversifikationsstrategien innerhalb eines breit aufgestellten Portfolios.

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