Handelskrieg USA-EU: Welche Branchen trifft es am härtesten?
Handelskrieg USA-EU: Welche Branchen trifft es am härtesten?
Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union befinden sich in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten. Die erneute Eskalation unter Präsident Trump hat die Hoffnungen auf ein baldiges Handelsabkommen zunichte gemacht und stattdessen einen ausgewachsenen Handelskrieg entfacht. Zölle auf Stahl und Aluminium, auf Automobile, auf Konsumgüter – und die EU hat Gegenmaßnahmen angekündigt, die US-Produkte wie Whiskey, Motorräder und Orangensaft belasten.
Wie gravierend ist die Situation tatsächlich? Und welche Branchen und Unternehmen stehen am stärksten unter Druck? Wir haben die aktuellen Daten analysiert und sprechen mit Experten über die mittel- und langfristigen Folgen.
Automobilindustrie: Doppelt getroffen
Die deutsche Automobilindustrie ist das Epizentrum des Handelskonflikts. Sie leidet gleich doppelt: Zum einen durch die direkten US-Zölle auf aus Europa importierte Fahrzeuge (25%), zum anderen durch die Gegenmaßnahmen der EU, die US-Teile und -Materialien verteuern. Ein Volkswagen Tiguan, der in Wolfsburg gebaut und in die USA exportiert wird, kostet am US-Markt durch die Zölle plötzlich 6.000 bis 8.000 Euro mehr.
Die Zahlen belegen den Ernst der Lage: Deutschland exportierte 2025 Fahrzeuge im Wert von rund 48 Milliarden Euro in die USA – das war der wichtigste Exportartikel. Die Branche beschäftigt direkt und indirekt mehr als 800.000 Menschen in Deutschland.
Maschinenbau: Stille Betroffene
Weniger im Scheinwerferlicht, aber wirtschaftlich mindestens ebenso bedeutsam: die deutschen Maschinenbauer. Der VDMA schätzt, dass die US-Zölle die Exporterlöse seiner Mitglieder 2026 um bis zu 4,2 Milliarden Euro drücken könnten. Besonders betroffen sind Hersteller von Werkzeugmaschinen, Verpackungsmaschinen und Agrarmaschinen.
Chemie und Pharma: Unterschiedliche Betroffenheit
Im Chemiesektor ist die Lage komplex. Grundchemikalien sind zollbelastet und belasten die Marge von Unternehmen wie BASF oder Evonik erheblich. Spezialchemikalien und Pharmaprodukte hingegen sind in vielen Fällen von den Zöllen ausgenommen – sie gelten als essenzielle Güter, für die es keine ausreichende US-Produktion gibt.
Pharmaunternehmen wie Bayer, Merck KGaA und Boehringer Ingelheim sind daher vergleichsweise gut geschützt. Ihre Produkte – Arzneimittel, Diagnostika, Laborchemikalien – sind zu einem großen Teil von Zöllen ausgenommen.
Antizyklische Investmentstrategie in Zeiten des Handelskriegs
Für Anleger stellt der Handelskrieg eine erhebliche Herausforderung dar. Die Unsicherheit ist das größte Problem – solange die Zollsituation nicht gelöst ist, werden viele Investoren in exportorientierten deutschen Aktien Vorsicht walten lassen.
Eine antizyklische Strategie könnte so aussehen: Wer bereit ist, Geduld aufzubringen, kauft jetzt ausgewählte Automobilzulieferer oder Maschinenbauer, die zu historisch günstigen Bewertungen gehandelt werden. Bei einer Einigung im Handelskrieg dürften diese Titel überproportional stark steigen. Continental etwa notiert aktuell mit einem KGV von nur 8,7 – für ein Unternehmen mit starker Marktposition im Reifengeschäft eine historisch günstige Bewertung.
Eines ist sicher: Der Handelskrieg USA-EU wird die Weltwirtschaft und die deutschen Märkte noch viele Monate beschäftigen. Die Anleger, die diese Phase mit klarem Kopf und strategischem Blick navigieren, werden langfristig die Gewinner sein.
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