Richard Stern
March 11, 2026
Makro

Unter 2 Prozent: Ist die Inflationsflaute in Deutschland trügerisch?

Deutschland Inflation Iran Schock – Zwischen Entspannung und Gefahr

Die Inflationsrate in Deutschland sank im Februar 2026 auf 1,9 Prozent und damit unter die wichtige Zwei-Prozent-Marke.  Wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamts berichtet, war dies vor allem auf sinkende Lebensmittelpreise und gesunkene Netzentgelte im Strombereich zurückzuführen.  Der Preisauftrieb bei Dienstleistungen blieb dagegen hoch.  Doch Ökonomen sehen wenig Grund zur Entwarnung: Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) warnt, dass ein Ölpreis über 100 US‑Dollar infolge des Iran‑Konflikts die Inflation 2026 um 0,8 Prozentpunkte und 2027 um einen Prozentpunkt erhöhen könnte.  Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet dagegen mit einem moderateren Aufschlag von 0,4 Prozentpunkten und betont, dass Deutschland weniger abhängig von Golföl sei als 2022.

Energiepreise und wirtschaftliche Aussichten

Die Süddeutsche Zeitung weist darauf hin, dass der jüngste Preisrückgang bei Benzin und Diesel nur vorübergehend sein könnte, falls der Nahost-Konflikt erneut eskaliert.  Da der Iran nur rund drei Prozent der weltweiten Ölproduktion liefert, seien die Auswirkungen zwar begrenzt, doch eine Sperrung des Hormus könnte den globalen Energiemarkt durcheinander bringen.  Sowohl IW als auch DIW erwarten, dass die Inflation bis 2027 wieder auf etwa 2,3 bis 2,8 Prozent steigt, insbesondere wenn die Reallöhne kräftig zulegen.  Auf der Wachstumsseite bleiben die Prognosen verhalten: Nach 0,3 Prozent 2025 rechnen die Institute 2026 mit einem Plus von etwa 1 Prozent, getragen von staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.

In früheren Beiträgen habe ich betont, dass die Energiemarktabhängigkeit der deutschen Wirtschaft gesunken ist.  Die aktuellen Prognosen unterstreichen jedoch, wie schnell sich die Situation ändern kann.  Selbst bei moderater Inflationsentwicklung könnte ein erneuter Energieschock die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank herausfordern und Verbraucher sowie Unternehmen belasten.

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