Günter Ehrhardt
January 14, 2026
Aktien

Halbleiter-Boom oder Risikojahr? ASML-Quartalszahlen im Fokus

Der Blick der Anleger richtet sich derzeit mit Spannung auf den niederländischen Chipausrüster ASML, dessen Quartalszahlen „ihre Schatten vorauswerfen“. Im Zentrum stehen Erwartungen an Umsatz- und Gewinnzahlen, die dank starker Nachfrage nach fortschrittlichen Lithographie-Maschinen in der Halbleiterproduktion steigen. Die Aktie gehört zu den herausragenden Performance-Titeln im europäischen Technologiesektor, und jede Veröffentlichung neuer Zahlen kann die Richtung der Bewertung maßgeblich beeinflussen. Was macht ASML so besonders, welche Erwartungen prägen die bevorstehenden Zahlen und welche Risiken sollten Anleger im Blick behalten?

Der Hauptfokus dieses Artikels liegt auf der ASML Aktie, einem der technologisch bedeutendsten Werte Europas mit globaler Strahlkraft. Die Aktie wird nicht nur wegen ihrer starken Fundamentaldaten beachtet, sondern auch, weil die Ergebnisse Einblick geben in die Lage der globalen Halbleiterindustrie – einer Branche, die als Rückgrat moderner digitaler Ökonomien gilt.

Vorfreude und Erwartungen: Was bringt die nächste Berichtssaison?

Die Vorzeichen sind positiv, doch zugleich anspruchsvoll. Analysten verschiedener Häuser haben ihre Prognosen für ASML für das Jahr 2026 deutlich angehoben. So stuften Experten um David Dai von Bernstein die Aktie als „Outperform“ ein und hoben das Kursziel von zuvor rund 800 auf 1.300 Euro an – ein Kurspotenzial von etwa 25 Prozent gegenüber damaligen Kursen. Diese Einschätzung basiert auf der anhaltend starken Nachfrage nach Lithographie-Maschinen, insbesondere im Bereich der extremen Ultraviolett-Lithographie (EUV), die für modernste Chips unverzichtbar sind.

Ein weiterer Grund für den Optimismus ist die erwartete Gewinnentwicklung. Bernstein analysiert, dass der Gewinn je Aktie von ASML im Zeitraum 2025 bis 2027 um durchschnittlich jährlich etwa 18 Prozent wachsen dürfte, was über dem Konsens von rund 15 Prozent liegt. Damit signalisiert die Branche eine überdurchschnittliche Profitabilität des Konzerns im Vergleich zu vielen Wettbewerbern.

Auch andere Analysten zeigen sich zuversichtlich. Bank of America bezeichnete ASML explizit als „Top Pick“ für das kommende Jahr, nicht zuletzt wegen der starken Positionierung im Zuge der steigenden Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI)-Chipproduktion und weiterer Halbleitersegmente. Citi bestätigte eine Kaufempfehlung und erhöhte ebenfalls Preisziele, was ein deutlich positives Marktumfeld widerspiegelt.

Dass sich die Kurse zuletzt wieder erholen konnten, zeigt ein Blick auf die jüngste Kursentwicklung: Die ASML-Aktie notierte im Herbst 2025 mehrfach auf Rekord- oder Jahreshochniveaus, nachdem sie zuvor von geopolitischen Unsicherheiten und Exportrestriktionen in Asien belastet worden war. Der Trend hat sich jedoch wieder gefestigt, und im Jahresvergleich konnte die Aktie eine deutliche Performance erzielen.

Ein Blick auf Schätzungen von FactSet-Daten zeigt zudem, dass Analysten im Schnitt positive Bewertungen vergeben: Rund 76 Prozent der Analysten empfehlen „Kaufen“, während nur etwa ein Fünftel zu „Halten“ rät. Diese breite Zustimmung unterstreicht das Vertrauen vieler Profis in das Geschäftsmodell und den Zukunftskurs von ASML.

Fundamentaldaten, Chancen und Risiken im Umfeld der Zahlen

Der Blick auf die Fundamentaldaten zeigt ein solides Bild. Nach Ergebnissen der vergangenen Quartale konnte ASML wiederholt Erwartungen übertreffen. So meldete das Unternehmen für 2025 starke Umsatzzahlen mit einer erwarteten Gesamt-Nettoleistung (Net Sales) von rund 15 Prozent über den Vorjahreswerten und einer robusten Bruttomarge von über 50 Prozent – trotz hoher Forschungs- und Entwicklungskosten.

Ein Grund für diese gute Entwicklung liegt im breiten Einsatzbereich der ASML-Technologie. Extreme Ultraviolett (EUV) wird heute für High-End-Chips benötigt, und die Investitionsbereitschaft großer Halbleiterhersteller ist weiterhin hoch, insbesondere weil KI- und Cloud-Anwendungen den Bedarf an fortschrittlichen Chips steigern. Zudem erwartet eine Analyse, dass der Umsatz in Bereichen wie Low-NA EUV im Geschäftsjahr 2026 um rund ein Drittel wächst und 2027 sogar noch kräftiger zulegen kann, was die mittelfristige Nachfrage stützt.

Nicht ohne Bedeutung ist auch das Thema Aktienrückkäufe: ASML hat 2025 erneut ein umfangreiches Rückkaufprogramm gestartet, was den Kurs stützt und Anlegern Vertrauen signalisiert. Solche Kapitalrückführungen sind oft ein Indikator dafür, dass der Vorstand von der eigenen Bewertung überzeugt ist.

Trotz all dieser positiven Signale dürfen Anleger die Risiken nicht ignorieren. In der Vergangenheit gab es beispielsweise Phasen, in denen die Nachfrage kurzfristig nachließ oder geopolitische Spannungen zu Unsicherheit führten. So berichteten sich ASML-Aktien zeitweise schwächer, nachdem das Unternehmen auf mögliche Handelszölle und exportbezogene Unsicherheiten hingewiesen hatte, die das Wachstum im Jahr 2026 belasten könnten. Diese Faktoren zeigen, dass auch ein technologisch starker Konzern nicht völlig immun gegen makroökonomische und politische Risiken ist.

Ein anderer Punkt ist die Bewertung der Aktie. Während viele Analysten ein starkes Wachstum sehen, ist das Bewertungsniveau von ASML im Vergleich zu anderen niederländischen Aktien und europäischen Tech-Werten weiterhin relativ hoch, was auf ein gewisses Maß an Erwartungsdruck hindeutet. Dies wird durch Kennzahlen wie ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis sichtbar, das gegenüber historischen Durchschnittswerten auffällig sein kann.

Wenn ASML seine kommenden Quartalszahlen präsentiert – typischerweise gegen Ende Januar oder im Februar – werden Anleger genau auf Umsatz, Gewinn, Margenentwicklung und die Orderbücher achten. Diese Kennzahlen geben nicht nur Auskunft über die aktuelle Geschäftslage, sondern auch über die Nachfrage der größten Kunden wie TSMC, Samsung oder Intel. In früheren Quartalen war gerade der Auftragsbestand ein starkes Signal für die Zukunft, da er zeigt, wie viele Investitionen in neue Chipproduktion vorgesehen sind.

Besonders im Halbleiterbereich ist der Blick auf globale Trends entscheidend: China-Restriktionen, mögliche Engpässe bei Komponenten und politische Einflussfaktoren können jederzeit die Erwartungen verändern. Gleichzeitig bleibt der AI-Boom ein zentraler Wachstumsmotor für ASML, da dort extrem leistungsfähige Chips benötigt werden – ein Segment, in dem ASML-Maschinen weltweit führend sind.

Für deutsche Anleger bedeutet dies: Die bevorstehenden Zahlen könnten die ASML-Aktie entweder in eine neue Rallye führen oder temporäre Kursrisiken aufzeigen. Angesichts der hohen Prognosen für Wachstum und der starken Stellung im Markt bleibt die Aktie aber ein Schwergewicht im Technologiesektor mit Perspektive über die kurzfristigen Zahlen hinaus.

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