Zinsen, Inflation, Fed: Steht US-Anleihen ein schwierigeres Jahr bevor?
US-Anleihen 2025: Starkes Comeback nach schwierigen Jahren
US-Anleihen gehörten 2025 zu den großen Gewinnern an den Finanzmärkten. Nach dem historischen Zinsanstieg der Jahre 2022 und 2023 und der Schwächephase 2024 konnten Investoren endlich wieder nennenswerte Renditen erzielen. Der Grund: fallende Renditen, sinkende Inflationssorgen und eine zunehmend vorsichtige US-Notenbank. Für viele Anleger – auch in Deutschland – galten US-Staatsanleihen wieder als stabiler Anker im Portfolio. Doch genau dieser Rückenwind könnte 2026 deutlich nachlassen.
Der Hauptgrund für die starke Performance liegt in der geldpolitischen Wende. Nachdem die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins im Jahr 2023 auf über fünf Prozent angehoben hatte, stabilisierte sich die Inflation 2024 und kühlte sich 2025 weiter ab. In der Folge begannen die Märkte, sinkende Leitzinsen einzupreisen. Da Anleihekurse steigen, wenn die Renditen fallen, profitierten insbesondere langlaufende US-Staatsanleihen deutlich.
Nach Daten der Federal Reserve Bank of St. Louis fiel die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe von über 5 Prozent im Herbst 2023 zeitweise auf unter 4 Prozent im Verlauf von 2025, was kräftige Kursgewinne auslöste (Quelle im Text: FRED – Federal Reserve Economic Data). Für europäische Anleger kam ein zusätzlicher Effekt hinzu: Der starke US-Dollar verstärkte die Rendite in Euro gerechnet.
Auch institutionelle Investoren kehrten zurück. Pensionskassen, Versicherungen und Fondsmanager nutzten das wieder attraktivere Zinsniveau, um langfristige Positionen aufzubauen. Laut Daten von ICE BofA erzielten US-Staatsanleihen 2025 ihre beste Jahresperformance seit mehreren Jahren, nachdem sie zuvor zwei der schwächsten Jahre seit Jahrzehnten erlebt hatten (Quelle im Text: ICE BofA US Treasury Index).
Warum 2026 schwieriger werden könnte
So überzeugend die Entwicklung 2025 war, so vorsichtig blicken viele Marktbeobachter auf das kommende Jahr. Denn mehrere Faktoren sprechen dafür, dass sich die Renditeentwicklung nicht einfach fortsetzen lässt.
Erstens: Ein Großteil der Zinssenkungserwartungen ist bereits eingepreist. Die US-Notenbank signalisiert zwar eine lockerere Gangart, betont aber gleichzeitig, dass sie einen erneuten Inflationsanstieg unbedingt vermeiden will. Sollten sich Konjunktur und Arbeitsmarkt stabil halten, könnte der Spielraum für weitere Zinssenkungen begrenzt bleiben. In diesem Fall würden Anleihekurse kaum weiter steigen – im Gegenteil, selbst leichte Renditeanstiege könnten die Kurse unter Druck setzen.
Zweitens rückt das Thema Staatsverschuldung stärker in den Fokus. Die USA verzeichnen weiterhin hohe Haushaltsdefizite. Laut dem US Congressional Budget Office wird das Haushaltsdefizit auch 2026 deutlich über einer Billion US-Dollar liegen (Quelle im Text: Congressional Budget Office). Das bedeutet ein hohes Emissionsvolumen neuer Staatsanleihen. Steigt das Angebot schneller als die Nachfrage, kann das auf die Kurse drücken – insbesondere bei längeren Laufzeiten.
Drittens verändert sich das Investorenverhalten. Während US-Anleihen 2025 als sicherer Hafen gefragt waren, könnten Anleger 2026 wieder stärker in risikoreichere Anlagen umschichten, etwa in Aktien oder Unternehmensanleihen, sofern das Wirtschaftswachstum stabil bleibt. Diese sogenannte „Rotation“ entzieht dem Anleihemarkt Kapital.
Hinzu kommt ein geopolitischer Faktor: Die globale Nachfrage nach US-Staatsanleihen ist nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Länder wie China oder Japan – traditionell große Käufer – haben ihre Bestände zuletzt reduziert oder nur noch begrenzt ausgebaut. Gleichzeitig versuchen einige Schwellenländer, ihre Währungsreserven breiter zu streuen. Das schwächt die strukturelle Nachfrage nach US-Bonds.
Für europäische Anleger kommt zudem das Währungsrisiko hinzu. Sollte der US-Dollar 2026 gegenüber dem Euro nachgeben, könnten selbst stabile Anleiherenditen in Dollar gerechnet in Euro deutlich geringer ausfallen. Dieser Effekt war in der Vergangenheit oft unterschätzt, spielt aber bei internationalen Investments eine zentrale Rolle.
US-Anleihen bleiben ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung von Portfolios, insbesondere in unsicheren Zeiten. Doch das Umfeld hat sich verändert. Während 2025 von fallenden Renditen und Kursgewinnen geprägt war, dürfte 2026 stärker von Seitwärtsbewegungen und selektiven Chancen bestimmt werden.
Viele Analysten raten daher zu einer differenzierten Strategie: kürzere Laufzeiten, selektive Beimischung von Unternehmensanleihen mit hoher Bonität und ein wachsamer Blick auf die Geldpolitik der Fed. Wer blind auf eine Fortsetzung der Rally setzt, könnte enttäuscht werden.
Insgesamt zeigt sich: US-Anleihen haben 2025 geglänzt – aber der Höhenflug dürfte an Dynamik verlieren. Für Anleger bedeutet das weniger Rückenwind, mehr Auswahl und vor allem mehr strategische Disziplin. Die Zeit der einfachen Gewinne scheint vorerst vorbei zu sein.
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